Verlauf der Schwerhörigkeit
Eine beginnende Schwerhörigkeit betrifft häufig zunächst nur einzelne Frequenzbereiche – meist die hohen Töne. In diesem Stadium wird die Hörminderung von Betroffenen im Alltag oft kaum wahrgenommen.
Mit fortschreitender Hörstörung nimmt die Anzahl der betroffenen Frequenzen zu. Bleibt die Schwerhörigkeit über längere Zeit unbehandelt bestehen, kann es zu einer sogenannten Degeneration der Hörbahn kommen. Dabei sind nicht nur die Sinneszellen in der Hörschnecke betroffen, sondern auch die nachgeschalteten Nervenzellen bis hin zur Hörverarbeitung im Gehirn.
Dieser Prozess ist vergleichbar mit einem längere Zeit ruhiggestellten Muskel: Ohne ausreichende Stimulation kommt es zu einem Funktionsverlust.
Folgen einer unbehandelten Schwerhörigkeit
Die Degeneration der Hörbahn erklärt, warum viele Betroffene:
- in ruhiger Umgebung noch Gespräche verstehen
- in Gruppen oder bei Hintergrundlärm jedoch deutlich schlechter hören
- Gesprächen in Restaurants oder sozialen Situationen nur eingeschränkt folgen können
Je länger eine Schwerhörigkeit unbehandelt bleibt, desto stärker kann die Sprachverarbeitung im Gehirn beeinträchtigt werden.
Auch die Anpassung an Hörgeräte kann dadurch erschwert sein: Betroffene hören zwar wieder lauter, die Sprachverständlichkeit verbessert sich jedoch nicht immer ausreichend, wenn die Hörverarbeitung bereits nachgelassen hat.
Schwerhörigkeit bei Jugendlichen – zunehmende Lärmbelastung
In den letzten Jahren ist ein Anstieg von Hörschäden bei Jugendlichen zu beobachten. Ursache ist häufig eine dauerhafte Lärmbelastung durch:
- lautes Musikhören über Kopfhörer
- Diskotheken und Clubs
- Live-Konzerte mit sehr hohen Schalldruckpegeln
Dabei können Lautstärken von über 100 Dezibel erreicht werden – vergleichbar mit einem Presslufthammer in unmittelbarer Nähe.
Bereits kurze Hörbelastungen können die zulässige tägliche oder wöchentliche Lärmexposition überschreiten. Werden solche Belastungen regelmäßig wiederholt, steigt das Risiko für bleibende Hörschäden deutlich.
Warnsignale für eine Lärmschädigung
Typische frühe Hinweise auf eine Überlastung des Gehörs sind:
- vorübergehendes „dumpfes“ Hören
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Gefühl einer leichten Taubheit nach Lärmbelastung
Auch wenn sich das Hörvermögen scheinbar nach einigen Stunden erholt, kann bereits ein irreversibler Hörschaden entstanden sein, der sich mit jeder weiteren Lärmeinwirkung summiert.